Vorbereitung · Wetter

Der schönste Himmel reicht allein noch nicht zum Fliegen.

Beim Motorschirm entscheiden nicht nur Sonne und Temperatur. Wind, Böen, Niederschlag, Sicht, Wolken und die Entwicklung der nächsten Stunden bestimmen, ob aus einem schönen Tag auch ein guter Flugtag wird.

Ein Gefühl für Flugwetter

Ruhige Luft ist für uns oft wichtiger als blauer Himmel.

Motorschirmflüge planen wir bevorzugt in ruhigen Wetterphasen. Besonders morgens und abends ist die Luft häufig weniger thermisch durchmischt als mitten am Tag. Viele unserer Flugfenster liegen deshalb in den ruhigen Stunden rund um Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang.

Für die Terminplanung achten wir besonders auf die vorhergesagte Böigkeit. Als vorsichtige Planungsorientierung rechnen wir in der Regel mit prognostizierten Böen bis etwa 20 km/h. Das ist keine technische Grenzzahl und noch keine Flugfreigabe. Vor Ort beurteilt der Pilot immer die tatsächliche Wetterlage als Ganzes.

Unsere Wetterwerkzeuge

Vom schnellen Überblick bis zum professionellen Flugwetter.

Für den ersten Blick kann jeder Gast selbst aufs Wetter schauen. Je komplexer die Lage oder je länger die Strecke, desto mehr Informationen nehmen wir hinzu. Diese drei Werkzeuge ergänzen sich dabei sehr gut.

Der schnelle Wettercheck

Vier Dinge, die du schon selbst prüfen kannst.

Du musst kein Meteorologe sein, um ein erstes Gefühl für deinen Flugtag zu bekommen. Wichtig ist nur, nicht auf ein einzelnes Sonnensymbol zu vertrauen, sondern Wind, Niederschlag, Sicht und den zeitlichen Verlauf gemeinsam anzusehen.

Wind & Böen

Nicht nur den Mittelwind ansehen. Für unsere Terminplanung ist besonders die Böigkeit entscheidend.

Regen: für uns ein No-Go

Wir planen keinen Motorschirmflug in Niederschlag hinein. Regen gehört nicht in unser Flugfenster.

Bewölkung & Sicht

Wolkenuntergrenze, Dunst, Nebel und Sichtweite sind ebenso wichtig wie der Wind.

Entwicklung über Stunden

Wir prüfen nicht nur einen Zeitpunkt, sondern wie sich Wind, Wolken und Niederschlag davor und danach verändern.

Für deine eigene Planung

So lesen wir WeatherPro und Windy.

Für einen Gast reicht zunächst die Frage: Wird das Wetter in unserem geplanten Flugfenster voraussichtlich ruhig, trocken und stabil? Wer mehr wissen möchte, kann anschließend tiefer in Modelle und Höheninformationen einsteigen.

WeatherPro
Einfacher Einstieg

WeatherPro

Für den schnellen Überblick schauen wir auf den Stundenverlauf rund um unser typisches Flugfenster, meist etwa ein bis zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Entscheidend sind Wind und Böen, Niederschlag, Bewölkung und die Entwicklung davor und danach.

WeatherPro arbeitet nicht nur mit einem einzelnen Rohmodell. Nach der aktuellen WeatherPro-Dokumentation wird ein Multi-Model-MOS verwendet, in den unter anderem ECMWF, GFS, UKMO sowie weitere lokale Modelle und Beobachtungsdaten einfließen. MeteoGroup beschreibt für seine Prognosekette zudem statistische und Machine-Learning-Nachbearbeitung.

Unsere Erfahrung: Für die Tagesplanung in unserer Region liefert diese aufbereitete Ortsprognose häufig schon eine sehr brauchbare erste Einschätzung.

1 · Flugfenster im Stundenverlauf suchen2 · Wind und Böen vergleichen3 · Niederschlag ausschließen4 · Trend vor und nach dem Flugfenster prüfen
WeatherPro Tagesübersicht eines Beispieltags
Tagesübersicht: erst das passende Zeitfenster und den Verlauf erfassen.
WeatherPro Windansicht eines Beispieltags
Windansicht: für uns besonders interessant sind Wind und Böen.
WeatherPro Wochenübersicht eines Beispieltags
Wochenübersicht: hilfreich für die frühe Terminplanung, noch nicht für die finale Entscheidung.
Windy.com
Mehr Tiefe

Windy.com

Für die erste lokale Ortsprognose schauen wir bevorzugt auf meteoblue AI / mblue AI. Windy selbst empfiehlt diese Prognose aktuell als besonders genaue Ortsvorhersage. Sie kombiniert bis zu 40 Wettermodelle mit Beobachtungen und Machine Learning.

Einzelmodelle bleiben trotzdem wertvoll: ICON-D2 ist ein hochauflösendes regionales DWD-Modell für Deutschland und Umgebung und eignet sich besonders für kurzfristige regionale Details. ECMWF ist ein globales Modell mit großer Stärke bei der großräumigen und mittelfristigen Entwicklung.

Der modellierte Wind in 10 Metern Höhe ist kein Messwert. Gelände, Bebauung, Thermik und lokale Effekte können dazu führen, dass die tatsächliche Windstärke vor Ort abweicht. Deshalb vergleichen wir Modelle und Beobachtungen, statt uns an eine einzelne Zahl zu klammern.

Unsere Erfahrung: Für die erste Ortsplanung hat sich mblue AI bei uns häufig als sehr stimmig erwiesen. ICON-D2 und ECMWF nutzen wir eher ergänzend zur Einordnung und zum Vergleich.

1 · mblue AI als erste Ortsprognose prüfen2 · Modelle miteinander vergleichen3 · Meteogramm für den zeitlichen Verlauf nutzen4 · Airgram für Wind und Feuchte mit der Höhe lesen
Windy Basisansicht mit meteoblue eines Beispieltags
Basisansicht: lokale Prognose und Modellwahl.
Windy Meteogramm eines Beispieltags
Meteogramm: Wetterelemente und deren Entwicklung über die Zeit.
Windy Airgram eines Beispieltags
Airgram: Windrichtung, Windstärke und atmosphärische Struktur mit der Höhe.
Deutscher Wetterdienst
Mehr Möglichkeiten zur Interpretation

DWD FlugWetter

Für viele lokale Motorschirmtage liefern WeatherPro oder Windy bereits ein sehr gutes erstes Bild. Wenn die Wetterlage komplexer wird, sich Fronten nähern oder ein größerer Streckenflug geplant ist, bietet die DWD FlugWetter-App deutlich mehr Werkzeuge zur Einordnung.

Der Vorteil liegt weniger darin, dass eine einzelne Karte „besser“ wäre. Entscheidend ist die Kombination aus Großwetterlage, Sichtflugvorhersage, Radar, Satellit, Höhenwind und zeitlicher Entwicklung entlang des geplanten Flugwegs.

GebietsvorhersageGAFORBodenanalyseRadarMeteogrammVertikalprofilHRV · RGB · IR
DWD Gebietsvorhersage Beispiel
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Gebietsvorhersage

Sie fasst die erwartete Wetterentwicklung für eine größere Region zusammen. Für uns ist das die sprachliche Einordnung dazu, was sich im Tagesverlauf verändert und welche Wettererscheinungen relevant werden können.

DWD Bodenanalyse Beispiel
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Bodenanalyse & Fronten

Hochs, Tiefs, Warm- und Kaltfronten zeigen die großräumige Wettermechanik. So lässt sich verstehen, ob wir vor einer Front liegen, ob sie uns erreicht oder ob sich bereits eine Rückseitenlage entwickelt.

DWD GAFOR Beispiel
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GAFOR

Die Sichtflugvorhersage hilft, großräumig einzuschätzen, wo Sicht und Wolkenuntergrenzen VFR-Flüge einschränken können. Für Streckenflüge ist das ein wichtiger Überblick entlang der Route.

DWD Radar Beispiel
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Radar

Radar zeigt Niederschlag und seine Verlagerung. Gerade bei Schauern ist die Bildfolge wichtiger als ein einzelnes Standbild. Für unsere Motorschirmplanung gilt: Niederschlag gehört nicht ins Flugfenster.

DWD Meteogramm Beispiel
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Meteogramm

Das Meteogramm bündelt den Forecast über die nächsten Stunden und Tage. Je nach Ansicht sehen wir unter anderem Bewölkung, Niederschlag, Temperatur und Wind in ausgewählten Höhen. Für Streckenflüge macht es die zeitliche Entwicklung besonders greifbar.

DWD Vertikalprofil Beispiel
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Vertikalprofil

Hier sehen wir Temperatur, Taupunkt und Wind mit der Höhe. So lassen sich stabile oder labile Schichten, Feuchte, Inversionen und Windänderungen erkennen, die am Boden allein unsichtbar bleiben.

Satellitenbilder einfach erklärt

HRV, RGB und Infrarot beantworten unterschiedliche Fragen.

Wir beginnen großräumig: Wo liegen die Wolkenfelder, wie bewegen sie sich und nähert sich von Westen oder Südwesten etwas an? Danach zoomen wir regional hinein und gleichen das Bild mit Radar und, wenn nötig, Blitzdaten ab.

DWD HRV Satellitenbild eines Beispieltags
HRV · High Resolution Visible: tagsüber besonders detailreich. Strukturen, Quellungen und Kanten von Wolkenfeldern lassen sich sehr gut erkennen.
DWD RGB Satellitenbild eines Beispieltags
RGB / True Color · wirkt ähnlich wie ein natürliches Farbbild und hilft, Wolkenfelder, Land und Wasser schnell räumlich einzuordnen.
DWD Infrarot Satellitenbild eines Beispieltags
IR / Infrarot · funktioniert auch nachts. Sehr kalte Wolkenoberseiten liegen meist hoch und können auf hochreichende Bewölkung hinweisen.
Wenn wir weiter fliegen

Streckenflug bedeutet: Wetter nicht nur am Startplatz prüfen.

Je länger die Strecke, desto wichtiger wird der räumliche und zeitliche Zusammenhang. Ein ruhiger Startplatz sagt nichts darüber aus, welche Wolken, Sichtweiten oder Windfelder uns später entlang der Route erwarten.

01

Route in Wettergebiete legen

Gebietsvorhersage, GAFOR und Low-Level-SWC zeigen, ob entlang der Strecke unterschiedliche Bedingungen auftreten.

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Höhenwind vergleichen

Windrichtung und -stärke können sich mit der Höhe deutlich verändern. Das beeinflusst Flugzeit, Reichweite und Turbulenz.

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Wolken & Sicht vorausdenken

Wolkenuntergrenze und Sicht müssen nicht überall gleich sein. Feuchtefelder, Täler und Schichtbewölkung können eine Route unattraktiv machen.

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Alternativen behalten

Gute Wetterplanung enthält immer die Möglichkeit, früher umzudrehen, die Route zu ändern oder ganz am Boden zu bleiben.

Motorschirm vor abwechslungsreicher Wolkenkulisse
Der Himmel erzählt mit

Wolken sind mehr als nur Kulisse.

Form, Höhe und vor allem die Entwicklung von Wolken geben Hinweise auf Feuchte, Stabilität und vertikale Luftbewegungen. Eine einzelne Wolke ist keine Wettervorhersage, zusammen mit Wind, Radar, Satellit und Prognosen wird sie aber zu einem wertvollen Puzzleteil.

Kräftig wachsende Quellbewölkung
Kräftig wachsende Quellbewölkung: Entscheidend ist nicht nur die Form, sondern auch, wie schnell sie sich entwickelt.

Einfach lesen: flach, geschichtet oder stark aufgetürmt?

Schichtwolken erzählen oft von großräumiger Feuchte und stabileren Schichten. Quellwolken zeigen vertikale Bewegung. Bleiben sie klein und flach, ist das etwas völlig anderes als ein Cumulus, der innerhalb kurzer Zeit kräftig nach oben wächst.

Für den Motorschirm interessiert uns besonders, ob die Atmosphäre ruhig bleibt oder ob Thermik, Schauer und Konvektion im Tagesverlauf zunehmen.

Ci / Cs

Cirrus & Cirrostratus

Foto folgt

Hohe Eiswolken können in einer ruhigen Wetterlage harmlos sein. Verdichten sie sich zu einem Schleier und nimmt die Bewölkung weiter zu, kann das auf eine Wetteränderung oder heranziehende Front hindeuten.

Für uns:

Entwicklung und Zugrichtung beobachten, nicht nur den aktuellen Eindruck.

Ac

Altocumulus

Foto folgt

Mittelhohe Felder oder „Schäfchenwolken“ sind nicht automatisch problematisch. Türmchenartige Formen wie Altocumulus castellanus können aber auf zunehmende Labilität in mittleren Schichten hinweisen.

Für uns:

Bei deutlicher vertikaler Struktur genauer auf Konvektion und Gewitterneigung schauen.

St / Sc

Stratus & Stratocumulus

Geschichtete Wolkendecke als Illustration

Tiefe Schichtbewölkung kann Sicht und Wolkenuntergrenze begrenzen. Dichte Stratus- oder Stratocumulusfelder können außerdem Sprühregen oder leichten Niederschlag mitbringen.

Für uns:

Untergrenze, Sicht, Niederschlag und Auflösungstendenz sind wichtiger als die Frage, ob oben die Sonne scheint.

Cu hum

Cumulus humilis

Foto folgt

Kleine, flache Quellwolken entstehen durch aufsteigende Luft und können eine normale thermische Entwicklung anzeigen.

Für uns:

Wir beobachten, ob sie flach bleiben oder im Tagesverlauf deutlich weiter wachsen.

TCU

Towering Cumulus

Kräftig wachsende Quellwolke als Illustration für TCU-Entwicklung

TCU bedeutet in der Luftfahrt „Towering Cumulus“. Gemeint ist ein hoch aufgetürmter Cumulus congestus mit großer vertikaler Ausdehnung. Das ist ein deutliches Zeichen kräftiger Konvektion.

Für uns:

Entwicklung, Radar und Flugwetterwarnungen bekommen jetzt besonderes Gewicht.

Cb

Cumulonimbus

Foto folgt

Die Gewitterwolke steht für starke Auf- und Abwinde, Böen, Niederschlag, Blitz und teils Hagel. Auch die Umgebung eines Gewitters kann weit außerhalb des sichtbaren Niederschlags unangenehm werden.

Für uns:

Kein Motorschirm-Flugwetter.

Vom Wunschdatum zum Flug

So entsteht unsere Go-/No-Go-Entscheidung.

1Einige Tage vorher

WeatherPro oder Windy geben ein erstes Gefühl dafür, ob sich ein ruhiges und trockenes Flugfenster entwickeln könnte.

2Am Vortag

Wind, Böen, Niederschlag und Wetterentwicklung genauer ansehen. Bei komplexerer Lage ziehen wir weitere DWD-Produkte hinzu.

3Am Flugtag

Je nach Wetterlage reichen einfache Apps und aktuelle Beobachtungen oder wir gehen mit DWD, Radar, Satellit und Höhenwind deutlich tiefer.

4Direkt vor Ort

Der Pilot trifft die endgültige Entscheidung anhand der realen Bedingungen. Wenn etwas nicht passt, bleiben wir am Boden.

Die 20 km/h sind eine Planungsorientierung, keine Freigabe.

Auch bei weniger Böigkeit können ungünstige Windrichtung, Turbulenz, Niederschlag, Gewitterneigung, schlechte Sicht oder lokale Effekte einen Flug ausschließen. Die finale Entscheidung liegt immer beim verantwortlichen Piloten.

Als Nächstes

Wetter verstanden. Flugtag vorbereiten.

In der Checkliste findest du Kleidung, Unterlagen und alle weiteren Punkte für deinen Flugtag. Den genauen Ablauf vom Treffen bis zur Landung erklären wir dir ebenfalls Schritt für Schritt.